Geistlicher Erneuerungskurs

Wenn wir uns erneuern wollen, tut es uns gut, uns immer wieder einmal die Zeit zu nehmen, unser Leben zu betrachten. Lebe ich? Lebe ich mit dem Herrn? Wie lebendig ist mein Glaube?

13 Schwestern haben sich eine Woche Zeit genommen, um diesen Fragen nachzugehen. “Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz“ (Ps. 90,12). Das war die Überschrift für eine Woche, die uns viel Freude bereitete. Begleitet haben uns Provinzoberin Sr. M. Edith, Sr. M. Felizitas Pfeiffer und Sr. M. Aurelia Ciemniska

In der täglichen Meditation richteten wir unseren Blick auf Jesus und auf Menschen, die ihm folgten. Zwei wichtige Fragen stellten wir uns immer wieder: Wohin geht meine Sehnsucht? Was wünsche ich mir von Gott? 

Wohin geht meine Sehnsucht? Eine Antwort: Ich möchte Gott immer tiefer lieben, ganz eins mit ihm werden. In seiner Gegenwart leben.

Was wünsche ich mir von Gott? Ich wünsche mir, dass er mich in diesen Tagen zu größerer innerer Lebendigkeit führt, zu Offenheit und Liebe. Wenn ich Jesus Christus so liebe, gilt meine Liebe auch den Menschen, die er mir gegeben hat und er schenkt uns die Freude, gemeinsam in seiner Gegenwart zu leben.

Gleich zu Anfang erhielten wir ein Geschenk, ein „Schatzkästlein“ – ein hübsches kleines Kästchen mit einigen netten Kleinigkeiten. Da war eine kleine herzförmige Kerze drin, ein kleiner Schreibblock und ein kurzer Bleistift, der in den kleinen Kasten hineinpasste, andere kleine Herzlich­keiten fanden darin Platz, auch unsichtbare. Es ging überhaupt  sehr herzlich zu. Kein Zwang, keine strenge Tagesordnung, die einzuhalten war. Es wurden „Angebote“ gemacht, kein strammes Programm vorge­schrieben, Es gab Pausen und Erfrischungen, auch mal einen „Freien Nachmittag“. Aber wir kamen alle gern zu allen „Arbeitseinheiten“. Niemand drückte sich oder blieb ohne triftigen Grund weg. Nein, wir kamen viel zu gern!          

Ein Gebet wurde uns gleich an Anfang in die Hand und ins Herz gelegt, das ich gern gebetet habe:
„Gott, du wartest auf mich. So wie ich bin, darf ich vor dir da sein. Ich darf mich anschauen lassen von dir, der du mich liebevoll anschaust, der du mich kennst und um mich weißt. Voll Vertrauen warte ich auf dein Wort. Lass mich deine Nähe spüren und zeige mir, was du mir jetzt zeigen möchtest. Nimm mich an deine Hand und führe mich deine Wege.“

Ich ging gern in die Stille und schaute zusammen mit Jesus über einen Text aus der Heiligen Schrift in mein Leben. Röm 14,17-19 war der erste  Meditationstext. Er sagt schon etwas über das Miteinander in einer geistlichen Gemeinschaft. Dann begegneten uns Simeon und Hanna im Tempel (Lk 2,25-40). Mich hat diese Begegnung sehr angesprochen, denn ich bin ja auch schon sehr alt. Hanna oder Anna diente Gott im Tempel mit Beten und Fasten. Auch ein alter Mensch kann Gott dienen. Der Hl. Geist zeigt  uns, wieviel Frieden und Freude wir alten Menschen bewirken können und er hilft uns dabei. Wer andere erfreut, bekommt viel mehr zurück, als er oder sie gab! Frieden und Freude! Hängt das nicht auch mit unserem Charisma zusammen? Unsere vier Gründerinnen waren strahlende Beispiele dafür. Bei der Geschichte von Simeon und Hanna kamen dann auch die wunderbaren, lebendig wirkenden Figuren in die Mitte unseres Kreises, die uns viel Freude machten.

Dank und Freude erfüllt Kol 1,3-6. Obwohl es den Lebensumständen nach nicht zu erwarten war, hat Gott mir den Glauben geschenkt. Dass dieser wunderbare Gott mich liebt, hat mich so glücklich gemacht, dass ich gar nicht anders konnte, ER wurde meine große Liebe. Im Glauben an Gott sind wir erfüllt von Hoffnung. Nichts kann uns trennen von ihm. ER macht unser Leben fruchtbar. Alles ist Gnade!

Dann kam der Sturm auf dem See in Mt 8,23-27. Ja es stürmt auch immer wieder mal. Wir haben es alle schon erfahren. Sieger Köder hat ein Bild gemalt, das zeigt, wie hart es zugeht. Das passiert auch in unsrem Leben. Und Jesus schläft. „Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen?“ Kennen wir das nicht auch? ER ist da. Er lässt uns nicht im Stich. Ver­trauen ist gefragt. Auch in der größten Not, wenn wir nicht mehr wissen, was wir tun können, hat Gott noch Wege, uns zu retten.

Bleibt in mir! Joh15, 7-12.16 . Hier nimmt Jesus Abschied von seinen Freunden. „Bleibt in meiner Liebe“. Nicht nur den Aposteln gilt dieses Wort. Es gilt auch uns. „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“ „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“ Diese Worte kann man eigentlich nur ganz still betrachten. Wir haben dabei auch die Monstranz im Generalat betrachtet, die aus Ringen von verstorbenen Mitschwestern gearbeitet wurde. Auch Ringe von Mitschwe­stern, die unsere Kongregation wieder verlassen haben, sind dabei. Ich dachte an zwei Schwestern, die ich sehr gut kannte, und die unsere Kongregation nur schwer verlassen haben und sie auch heute noch lieben.

Man könnte eigentlich sagen, dass Jesus ein Wanderprediger gewesen sei. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung begab er sich wieder auf den Weg, jetzt  nicht um seine Botschaft zu verkünden, sondern um  zwei seiner Jünger zu treffen, die  verzweifelt und enttäuscht nach Hause gingen. Sie waren auf dem Weg nach  Emmaus, einem Ort, 60 Stadien (ca. 40 km) von Jerusalem entfernt. Jesus gesellte sich unterwegs zu ihnen und hörte ihre traurigen Reden. ER ist tot! Alles war vergebens. Nicht einmal Worte von Engeln ließen sie aufhorchen. Aber dieser „Fremde“ bewegte ihr  Herz: „Bleibe bei uns…“. Beim Brechen des Brotes erkannten sie ihn! Er lebt! Noch in derselben Stunden brachen sie auf, liefen, erfüllt von neuem Glauben und neuer Kraft, die 40 km zurück nach Jerusalem. Diesen Pilgerweg haben sie nie vergessen!

Auch wir gingen einen Pilgerweg und entdeckten Kraftquellen im Garten und im Provinzhaus der Schwestern von der hl. Elisabeth, dort wo wir so liebevoll und gastfreundlich aufgenommen worden waren und Gott begegnen durften.

Nach der Meditation in der Stille, haben wir uns gern zum Austausch in frei gewählten Kleingruppen oder auch in der großen Gruppe getroffen.

An einigen Abenden hielten wir eine kurze Rekreation, einmal mit leckerem Eis und ein anderes Mal mit einem guten Glas Wein – Mmmm! Und wie jeden Abend schlossen wir mit dem „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit.“

Wir haben viel und gern gesungen, auch am letzten Abend wurde nach allerlei heiteren Beiträgen und manchen  guten Sachen ein kräftiges „Dankeschön!“ gesungen. Ja, wir hatten viel zu danken und taten es gern und mit Nachdruck.

Sr. M. Barbara Hellmann